Wie ein Schweinchen namens Babe die Gesellschaft verändert

Ein Schweinchen Namens Babe - Massentierhaltung

Es war einmal…

Irgendwo auf dem Lande, in einem kleinen Bauernhof, ein Schweinchen namens Babe.

An diesem idyllischen Ort warteten alle Schweine im Stall auf diesen einen, großen Tag. Wenn sie lange genug artige Schweine im Stall gewesen waren, durften sie irgendwann dem Licht entgegengehen. Sie durften den Stall verlassen und ein fahrendes Gefährt besteigen.

Der Legende nach bringt sie dieses Gefährt an einen besonderen Ort. An einen Ort, an dem die Sonne scheint, an dem es saftige grüne Wiesen, Wälder und plätschernde Gewässer und Essen im Überfluss gibt. Das Schweineparadies. Es muss dort so unglaublich schön sein, dass noch nie ein Schwein, das sich auf den Weg dorthin gemacht hat, jemals wieder zurückkehrte.

An diesem Abend ist es auch für Schweinchen Babes Mutter soweit. Der Abschied ist traurig. Aber irgendwo freut Babe sich auch für seine Mutter. Sie geht an einen besseren Ort. Außerdem weiß Babe auch, dass er sie eines Tages wiedersehen wird, wenn es auch für ihn an der Zeit ist sich auf ins Schweineparadies zu machen….

Doch es sollte anders kommen.

Wie ein Schweinchen namens Babe mein Herz gewann…

Es ist gar nicht so lange her, dass mir dieser Film aus meiner Kindheit wieder einfiel. Und ich habe lange Zeit darüber nachgedacht.

In dem Film erobert Schweinchen Babe mit seiner neugierigen, spielerischen und sehr intelligenten Art im Sturm das Herz der anderen Tiere auf dem Bauernhof und auch das Herz des schweigsamen Bauern Arthur Hoggett.

Schweinchen Babe kann in diesem Film sogar sprechen, zumindest mit den anderen Tieren. Er springt für einen kranken, alten Schäferhund ein und lernt zusammen mit dem Famer Mr Hoggett, gespielt von James Cromwell, die Schafe zu hüten. Das kann er so gut, dass er am Ende sogar einen Preis dafür auf einem Schäferwettbewerb gewinnt.

Schweinchen Babe war der Held in diesem Film.

Und wir identifizieren uns mit Filmhelden. Millionen von Zuschauern fieberten im Kino mit Babe mit und fühlten, so wie ich auch, dass Babe sein Leben liebt, dass es glücklich sein möchte – so wie alle Tiere, so wie alle Menschen.

Und das ist sehr spannend.

Weil Schweinchen Babe nämlich ein Schwein ist. Und Schweine lieben wir nicht. Wir essen sie.

…und ich ihn trotzdem aufaß

Und so hatte diese Geschichte irgendwie einen bitteren Nachgeschmack.

Nur fiel mir das damals gar nicht auf. Während ich im Kino mit Schweinchen Babe mitfieberte und mich freute wie glücklich er herumlief, aß ich jeden Tag Fleisch von Tieren, von Schweinen, Kühen, Puten und Hühnern, die ihr Leben genauso liebten wie ich meins. Tiere, die niemals ein Leben in Freiheit wie das Schweinchen Babe hatten leben dürfen.

Was mich daran fasziniert und rückblickend auch etwas erschreckt, ist, dass mir das gar nicht auffiel. Ich hatte mich niemals bewusst dafür entschieden Fleisch zu essen.

Wie konnte ich Schweinchen Babe lieben und regelmäßig Fleisch von anderen Schweinchen Babes essen?

Das Spannende ist, dass es nicht nur mir so ging, sondern auch den vielen anderen Millionen Zuschauern dieses Filmes. Nur die wenigsten von ihnen ernährten sich fleischfrei.

Und doch liebten sie den Film und fühlten und fieberten mit Schweinchen Babe mit.

Wie konnte das sein?

Wie Ideologien unsere Entscheidungsfreiheit beeinflussen

Ich habe bereits in dem Artikel versuche etwas Unmögliches geschrieben, wie Glaubenssätze unser Denken und Handeln prägen.

Genauso wachsen wir auch mit Ideologien auf, die unser Denken und Handeln bestimmen, ohne, dass wir das jemals merken.

Ich forschte also weiter nach. Was ich herausfand war unglaublich spannend.

Beginnen wir am Anfang: Wenn wir geboren werden, ist unser natürlicher Zustand ein Gefühl der Verbundenheit.

Du hast sicher auch oft Babys gesehen, die aus diesem Zustand der Verbundenheit alle Menschen um sie herum anlächeln.

Wenn wir ein kleines Kind mit einem Kaninchen und einem Apfel in einem Zimmer alleine lassen, was wird passieren? Zu 100 Prozent wird das Kind den Apfel essen und mit dem Kaninchen spielen. Nicht umgekehrt.

Irgendetwas passiert also beim Aufwachsen mit uns. Irgendetwas war mit mir passiert. Und es waren nicht die Instinkte. Anders als Tiere, die von ihrer Anatomie her tatsächlich den Namen „Fleischesser“ oder Raubtier verdienen, hat der Mensch keinen einzigen Jagdinstinkt, fand ich heraus.

Es ist eine Ideologie, die dazu führt, dass wir unser natürliches Mitgefühl bei bestimmten Tieren, die wir als „Nutztiere“ einordnen, ausstellen.

Diese Ideologie war so stark in mir und meinem Denken verankert, dass mir damals der Widerspruch nicht mal auffiel.

Denn ich hatte mich nie bewusst dazu entschieden Fleisch zu essen. Ich war einfach in eine Welt hineingeboren worden, in der das „Norm“-al war. Diese Ideologie war so dominant, überall präsent, dass sie mir niemals auffiel. Sie hat einen Namen: Karnismus.

Karnismus? Eine gewaltvolle Ideologie

Was wäre wenn es sich beim letzten Wurstbrot oder Schnitzel nicht um ein Schwein, Huhn der Rind gehandelt hätte? Sondern stattdessen ein Stück Hund oder Katze auf dem Teller gelandet ist?

Abstoßend? Aber wo ist eigentlich der Unterschied? Das fragt sich auch dieses Restaurant in der Schweiz.

Genau das macht der Karnismus mit uns. Er ist eine Ideologie, die durch verschiedene Mechanismen unsere Wahrnehmung verfälscht, wenn es um „essbare“ Tiere und die aus ihren Körpern hergestellten Produkte geht. Er lässt uns manche Tiere wie zum Beispiel Hunde als Familienmitglieder bewerten und andere, wie zum Beispiel Kühe als Nahrungsmittel. Er lässt es normal, natürlich und notwendig erscheinen sie zu konsumieren.

In früheren Zeiten waren wir tatsächlich auf den Konsum tierischer Produkte angewiesen. Da hat es uns diese Ideologie sehr viel mehr vereinfacht. Heute verzerrt sie unsere Wahrnehmung und führt dazu, dass wir unser Handeln niemals hinterfragen. Wir handeln „automatisiert“ und erzeugen dabei viel Leid, ohne es zu merken. Der Karnismus ist ein uns von außen ungefragt aufgedrückter Filter. Er nimmt uns also unsere Entscheidungsfreiheit!

Und eine Frage sozialer Gerechtigkeit

In der Soziologie wird gesagt, dass  Karnismus strukturell anderen gewaltvollen Ideologien, wie zum Beispiel Rassismus und Sexismus gleicht.

Alle diese Ideologien basieren auf der Unterdrückung bestimmter Gruppen von „Anderen“.

Wenn wir tatsächlich eine humanere und gerechtere Gesellschaft schaffen wollen, müssen wir diesen gemeinsamen roten Faden hinter solchen unterdrückerischen Ideologien erkennen. Sonst besteht die Gefahr nur eine solche unterdrückerische Ideologie durch die nächste zu ersetzen.

Warum ist das wichtig?

Der lange Schatten der Massentierhaltung

Wir sind im Regenwald Südamerikas.

Die tropische Hitze treibt mir direkt den Schweiß aus den Poren. Neben Singvögeln und dem Treiben des Amazonasflusses sind immer wieder kreischende Affen, weiter oben am Flusslauf, zu hören.

Ich genieße gerade die Ruhe, als mich auf einmal eine kreischende Kettensäge aus den Gedanken reißt. Zurück in der Realität.

Weltweit wird alle zwei Minuten Regenwald mit einer Fläche von 35 Fußballfeldern abgeholzt.

Und ich kenne niemanden, der das gut findet. 75 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten leben in den Tropen. Wunderschöne Singvögel und verschiedenste Primatenarten.

Ja, die Viehwirtschaft hat einen langen Schatten. So trägt auch eine der größten Studien, zu den ökologischen Folgen der Viehhaltung den Namen „Livestock’s long shadow“ – Der lange Schatten der Massentierhaltung.

Über 30 Prozent der eisfreien Landfläche unseres Planeten wird für die Viehhaltung und den Anbau von Futtermitteln in der Tierhaltung verwendet.

Besonders brisant daran ist, dass wir in Deutschland gar nicht genügend Anbauflächen haben um ausreichend Futtermittel für all die Tiere zu produzieren. 754 Millionen Tiere (ohne Fische) sind es, die jedes Jahr hier getötet werden. Einen großen Teil der Futtermittel importieren wir, häufig Gensoja und Genmais aus Südamerika. Dort wird zur Gewinnung immer neuer Anbauflächen konstant der Regenwald gerodet.

Klar können wir den Konsum tierischer Produkte reduzieren, aber macht das überhaupt einen Unterschied? Ökologisch betrachtet….. Wie viele Felder müssten wohl angelegt werden, um den weltweiten Milchbedarf, durch Soja zu stillen? Wie viele neue Wälder müssten wohl gerodet werden, um diesen Platz zu schaffen ?

Die Kampagne 1.000 Leben hat auch auf Facebook zu einigen Diskussionen geführt. Unter anderem tauchte diese Frage auf. Und ja, jede Art von Konsum, hat ihre Auswirkungen.

Nur ist es sehr viel effizienter die Pflanzen direkt zu konsumieren, als sie erst an ein Tier zu verfüttern und dieses dann zu essen.

Das World Watch Institut hat errechnet, dass durchschnittlich aus zehn Kilogramm verwertbaren pflanzlichen Kalorien ein Kilogramm tierische Kalorien gewonnen werden.

Um die gleiche Anzahl von Menschen zu ernähren, benötigt man also eine höhere Anbaufläche, je mehr tierische Produkte diese konsumieren.

Und dann ist da noch der Klimawandel. Auch die Methangase , die bei den Verdauungsprozessen der Milliarden Tiere entstehen, haben ihre Auswirkungen. Die intensive Tierhaltung hat massive Auswirkungen auf unser Klima und verursacht laut der FAO sogar mehr Treibhausgase als der gesamte Verkehrssektor.

Und wir prägen das häufig, ohne dass es uns bewusst ist, mit unseren Entscheidungen und Handlungen mit.

Wie gehen wir damit um? Neustart?

Diese Zahlen können erschlagend wirken.

Zugegeben, als Kind wusste ich noch nichts von der Massentierhaltung.

Und auch später war das etwas, was ich lange Zeit erfolgreich ausgeblendet habe.

Die Milliarden geschlachteten Tiere weltweit,  die Auswirkungen auf unseren Planeten – Das sind alles wichtige Felder. Jedoch übersehen wir bei all diesen großen anonymen Zahlen häufig etwas sehr Wichtiges. Da stehen Individuen hinter. Da stehen einzelne Schweinchen Babes hinter, die ihr Leben lieben und glücklich sein wollen, wie du und ich.

Und wir übersehen noch etwas.

Das alles ist nicht notwendig und auch nicht natürlich.

Etwas was wir hier machen können, ist uns einfach der Menge bewusst zu werden, die wir an tierischen Produkten konsumieren. Denn noch 1950 war es halb so viel pro Kopf und 1850 sogar viermal weniger.

Wie gut ein bewusstes Reduzieren sich auf unsere Gesundheit auswirkt, haben wir uns bereits im letzten Artikel angeschaut. Nun geht es um die Schweinchen Babes und um unseren Planeten.

Wie ich begriff, dass ich trotzdem Teil des Wandels sein kann (auch ohne vegan oder vegetarisch zu leben.)

Ich weiß nicht mehr was der genaue Auslöser war.

Die Erkenntnis begann vermutlich zwischen einem der vielen Gespräche mit einem guten Freund zu reifen. Er hatte damals seit kurzem begonnen sich vegan zu ernähren und so entstanden oft konfliktreiche Gespräche rund um das Thema Ernährung.

Wir neigen dazu eine „Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität“ in diesem Thema zu haben.

Das hinderte mich lange daran etwas zu tun. Aber irgendwann wurde mir bewusst, dass selbst wenn ich Fleisch mag, ich beginnen kann den Konsum aktiv zu reduzieren. Und weniger und dafür bewusster zu konsumieren.

Denn die ganzen Umweltprobleme, das Thema der Massentierhaltung und auch der Gesundheit, entstehen vor allen Dingen aufgrund der Menge unserer Konsums.

Und so begriff ich: Wenn ich aktiv reduziere und Schritt für Schritt schaue, in welchen Lebensbereichen ich weniger Tierisches konsumieren kann, so ist das ein sehr wertvoller Beitrag.

Wir alle starten von unterschiedlichen Gewohnheiten und Konsumverhalten aus. Aber wo auch immer wir stehen, können wir beginnen einen Beitrag zu leisten. Wie weit und schnell wir gehen, dass kann und muss jeder für sich selbst entscheiden. Reduzieren und so aktiv zum Wandel beitragen – das kann jeder!

Ob es jetzt drei vegane Mahlzeiten die Woche sind oder nur noch an drei festgelegten Tagen die Woche Fleisch oder das Durchtesten verschiedener Pflanzenmilchsorten für Kaffee und Müsli. Ist gar nicht so wichtig.

Ein Schritt für Schweinchen Babe und den Planeten: 1.000 Leben

Wichtig ist, dass wir beginnen.

Und um dich dabei zu unterstützen, haben wir die Kampagne 1.000 Leben in Kooperation mit der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt ins Leben gerufen.

Wir haben uns das Ziel gesetzt gemeinsam den Konsum tierischer Produkte soweit zu reduzieren, dass das 1.000 Tieren entspricht, die weniger geschlachtet werden müssen.

Dazu brauchen wir 400 Teilnehmer*innen. Heute, zur Kampagnenhalbzeit, haben sich die ersten 311 Menschen schon eingetragen. Sie lassen sich kostenlos von Rezepten, Videos und Tipps inspirieren, um so ihren Konsum tierischer Produkte bewusst zu reduzieren. Kann ich auch auf dich zählen?

Mehr erfährst du auf unserer Kampagnenseite. Lass uns gemeinsam 1.000 Leben retten!

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4 Comments on “Wie ein Schweinchen namens Babe die Gesellschaft verändert”

    1. Liebe Carola,
      natürlich geht da noch mehr in Zukunft. 🙂
      Die 1000 Leben Kampagne findet im Rahmen meiner Abschlussarbeit im Studium statt und ist daher zeitlich begrenzt. Sie endet offiziell diesen Mittwoch. Ob es noch in eine Verlängerung geht, hängt dann auch von meinem Professor ab.
      In Zukunft planen wir aber verschiedenes, um gemeinsam auf verschiedenen Ebenen einen positiven Wandel mit anzustoßen.
      LG
      Carlos

  1. und das Schweinchen Babe ist von 7 versch. Schweinchen als Hauptdarsteller gespielt worden, und soweit ich damals mitbekommen habe, sind 2 sogar an Stress gestorben.

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