Wie Frieden entstehen kann.

Frieden schaffen

Frieden in der Welt? Frieden in uns?

Es scheint viel los zu sein in der Welt. Anschlag hier, Anschlag da.
Der Populismus wächst. Unverständnis und Misstrauen erhärten sich.

Eine Kulisse der Angst macht sich breit. Frieden in der Welt?

Währenddessen scheint „Stress“ ein Normalzustand für viele von uns geworden zu sein. Überarbeitung, Leiharbeit, Facebook checken, Ablenken, Shoppen, Überstunden, Serie gucken am Abend. Frieden in uns?

Bei uns um die Ecke ist ein größerer Stadtpark. Im Sommer sind hier immer viele Familien aus der Umgebung anzutreffen. So zentral in Essen hat kaum jemand einen eigenen Garten, also ist der Park der Nachbarschaftsgarten. Essen ist eine bunte Stadt. Die Menschen, die hier zusammenkommen haben unterschiedlichste kulturelle Hintergründe.

Es gibt eine Sandkastenecke, mit Rutsche und Schaukeln, in der Kinder spielen. Auf der Wiese sitzen Familien und picknicken.  Am anderen Ende des Parks gibt es einen Platz für Basketball, Fußball, Tischtennis. Um die Ecke wird häufig draußen Schach gespielt.

Es gibt alte, wunderschöne Bäume und einen großen Teich. Ein paar Kaninchen hüpfen umher, während die Enten durch das Wasser paddeln.

Es scheint mir manchmal, als wenn in diesem Mikrokosmos die Welt zusammenkommt. Eine Miniaturabbildung der Welt, aber friedlich und ohne Diskriminierung. Kann es eine globale Ethik geben, die uns da hinführen kann?

Wie Krieg entsteht

Krieg muss keine notwendige Komponente des Lebens sein.

Der Friedensaktivist Thich Nhat Hanh sagt, dass die Wurzel von Konflikten und Kriegen Unwissenheit und falsche Wahrnehmung sind. Unwissenheit und Verblendung gegenüber dem Guten, das jedem Menschen innewohnt. Das Potential für eine falsche Wahrnehmung ist in allen von uns. Es führt zu Missverständnis, was zu gewaltvollen Gedanken und Verhalten führen kann. Auch wenn Verblendung und Gewalt aktuell nicht ein aktiver Teil in unserem Leben sind, können sie es werden, wenn die Rahmenbedingungen sich ändern.

Wir müssen darum sehr vorsichtig sein, dass wir diese Samen in uns nicht gießen und ihnen nicht erlauben zu wachsen.

Der den du fütterst…

Es gibt eine schöne Geschichte, von einem alten Cherokee-Indianer.

Er sitzt am Feuer und fragt seinen Enkel:

“Kennst du die zwei Wölfe in deinem Herzen, die täglich kämpfen? Der eine wird leicht wütend, denkt immerzu negativ und hetzt durchs Leben. Er ist eifersüchtig, neidisch, aufbrausend, arrogant und gierig. Zugleich fühlt er sich minderwertig, lügt und wertet andere ab. Der andere hingegen ist freudig. Er strahlt Liebe aus und ist ganz achtsam. Er ist friedlich und hoffnungsvoll, ehrlich und großzügig und voller Mitgefühl.”

Der Enkel denkt einige Weile über die Worte seines Großvaters nach. Dann fragt er ihn

“Und welcher gewinnt?”

Der alte Cherokee antwortet:

“Der, den du fütterst.”

Krieg für den Frieden?

Krieg muss keine notwendige Komponente des Lebens sein.

Wenn ein Land ein anderes angreift, geschieht das aus Angst und einer kollektiven Verblendung. Die USA griffen den Irak an, um im Nahen Osten ihre Macht zu festigen. Sie dachten, dass würde ihnen Frieden und Glück bringen. Also wurden viele junge Soldaten dorthin geschickt, um zu morden und ermordet zu werden.

Wenn wir aber tief blicken erkennen wir, dass wahres Glück nicht davon kommt etwas oder jemanden zu besitzen. Es kommt von liebevoller Güte und Mitgefühl. Es entsteht wenn wir anderen helfen, ihr Leiden zu verringern.

Hätte man wirklich tief geschaut, hätten die in diesen Krieg involvierten Länder erkennen können, dass der Krieg unnötig war. Dass ihr eigenes Leben, nicht dadurch verbessert werden kann, dass sie  viel Leid in einem anderen Land und auch unter ihren eigenen jungen Soldaten und Soldatinnen in der Armee verursachen.

Es wurden sinnlos unzählige Leben genommen. Hunderttausende.

Das hat sehr viel Leid verursacht. Und eine verbrannte Erde hinterlassen, auf der aus Angst und  Verzweiflung neue von Hass getränkte Ideologien Fuß fassen konnten.

Alle Gewalt ist Ungerechtigkeit. Wir sollten diese Ungerechtigkeit weder uns selbst noch anderen antun. Wir sollten uns immer darin üben tief zu blicken und des Leides bewusst werden, das durch unsere Handlungen, Entscheidungen und Worte entsteht. Und das bedeutet auch hinter die Fassaden zu blicken und uns nicht mit gängigen Erklärungen zufrieden zu geben.

Kriege haben keine Gewinner. Es gibt aber immer auf beiden Seiten Verlierer. Und das müssen wir tief verinnerlichen. Sie haben eine Wurzel, die in Verblendung, Unwissenheit, Angst und Wut und daraus folgend in Hass und vielleicht auch in Gier liegt.

Wenn wir tief blicken, dann können wir eine Spirale der Gewalt, der Angst und des Hasses erkennen, die Jahre zurückreicht. Und dann können wir auch erkennen, dass wir sie nicht durch neuen Hass beenden können. Das funktioniert nicht. Das hat noch nie funktioniert.

„Noch nie in dieser Welt hat Hass den Hass besiegt . Nur die Liebe besiegt den Hass. Dies ist ein ewiges Gesetz.“ Buddha

Frieden in uns

Ich habe im letzten Jahr Aktivisten*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen kennen lernen dürfen.

Und auch wenn sie alle gemeinsam hatten, dass sie sich für eine bessere Welt einsetzen möchten, ist mir auch noch was anderes aufgefallen. Viele von ihnen schienen im Inneren sehr unzufrieden zu sein.

Natürlich können Dinge wie Umweltzerstörung, soziale Ungleichheit, Armut, Krieg, Massentierhaltung  eine große Trauer und auch Wut in uns auslösen. Nur sollten diese Emotionen niemals unsere Hauptmotivation sein.

Es ist ok wenn Angst, Unsicherheit und auch Wut da sind. Aber wir dürfen uns davon nicht leiten und kontrollieren lassen. Denn wenn wir in Wut oder sogar aus Hass handeln, werden wir sehr wahrscheinlich noch mehr Leid verursachen.

Wir waren alle wahrscheinlich schon in Situationen in der wir in der Wut etwas gesagt haben, was Menschen, die uns wichtig sind verletzt hat und was uns später leid tat.

Es ist meistens am besten in einer solchen Situation tief durchzuatmen, und erst zu sprechen, wenn die Wut abgeklungen ist.

Wie können wir also zu einer friedlicheren Welt beitragen? Wir können dass, indem wir an die Wurzeln der Gewalt und des Krieges in uns selbst gehen. Der erste Schritt ist, dass wir uns selbst in Gewaltfreiheit üben.

Wenn wir uns Frieden wünschen, dann besteht der erste Schritt dahin, dass wir Frieden Leben. Darin, dass wir inneren Frieden erfahren und dadurch auf natürliche Art und Weise ausdrücken. In unserem Handeln, in unserem Konsumieren, in unserem Zuhören, in unserem Sprechen. Nichts passiert im luftleeren Raum. In einer globalisierten Welt, hat unser Lebensstil buchstäblich Auswirkungen in der ganzen Welt. Wenn wir so leben, wird das auch Auswirkungen auf unser Umfeld und unsere Familien haben. Und so die Basis für eine größere Transformation bilden.

Wie Frieden entsteht

In einer Erzählung schreibt Thich Nhat Hanh, wie er neben über Tausend anderen Menschen eine Gruppe von Palästinensern und eine Gruppe von Isrealis in sein Meditationszentrum in Südfrankreich einlud.

In Plum Village, wie dieser Ort heißt, wurde gemeinsam meditiert, gegessen und tiefes Zuhören und mitfühlendes Sprechen praktiziert. Die Menschen aus Israel und Palästina verbrachten so zwei Wochen miteinander.

Am Ende der Zeit konnten die Teilnehmer von ihren Erfahrungen und Eindrücken berichten. Bereits zwei Wochen hatten gereicht, um eine tiefe Veränderung in Ihnen anzustoßen. Sie hatten gelernt sich als eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwester zu fühlen.

„Liebe Gemeinschaft, lieber Thich Nhat Hanh, als wir zu Beginn nach Plum Village kamen, konnten wir nicht glauben, was für einen Frieden dieser Ort ausstrahlt. Wir fühlten hier nicht die Wut, die Anspannung und die Angst, die wir im Nahen Osten ständig fühlen.

Die Menschen schauen sich hier mit Güte an und reden miteinander in Mitgefühl. Es ist Frieden, es gibt Verständigung und Verständnis und es gibt Brüderschaft und Schwesternschaft.“

Eine andere Person schrieb später einen Brief an Thich Nhat Hanh:

„Das ist das erste Mal, dass ich daran geglaubt habe, dass Frieden im Nahen Osten möglich ist.“

Schaffen wir also solche Räume des Verständnisses und Mitgefühls in uns und unserem Umfeld, dann sind kleine Wunder möglich.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein frohes Neues Jahr. Bei all den Vorsätzen die man sich so macht, möchte ich dir zum Abschluss noch eine Frage stellen:

Wie bringst du in diesem Jahr Frieden in dir und in dieser Welt zum gedeihen?

in Kürze in limitierter Auflage erhältlich

Happynizer: Dein Wandkalender 2018

  • Glück als Basis: Nachhaltige & ökologische Konzeptionierung (100 % recycling Papier, klimaneutrale Produktion, bio Farben...) 
  • Glück an der Wand: Inspirierende Spruch-Bilder für jeden Monat
  • Glück stärken: wirkungsvolle Übungen und inspirierende Geschichten für ein glückliches und bewusstes Leben.
ICH MÖCHTE MEHR ERFAHREN

13 Comments on “Wie Frieden entstehen kann.”

  1. Das ist leider ein Irrtum, daß wir von uns aus Frieden in uns selbst schaffen können. Das kann der gefallene Mensch nicht. Wir brauchen Christus. Er ist unser Friede. Wenn sich ein Mensch bewußt zu Jesus wendet, ihm seine persönliche Schuld und Sünde anvertraut und erlebt, wie er durch Gottes Vergebung buchstäblich zu einem neuen Menschen wird und zu einer lebendigen Beziehnung mit Jesus Christus kommt, dann kehrt Gottes Friede ein, der den Menschen durchdringen und unbedingt auch nach außen wirken wird.

    1. Ich glaube wir stimmen darin überein, dass ein tiefgreifender Wandel in unserem Innern starten muss. Ich weiß auch, auch von praktizierenden Christen, die mich sehr beeindrucken, was für einen heilsamen Frieden, ein spirituelles Leben bringen kann. Wenn du das auch in Jesus findest, dann freut mich das sehr.
      Ich bin nicht der Meinung, dass das nur durch Christus möglich ist. Wenn wir gemeinsam als Menschen wachsen wollen, ist es wichtig auch zu akzeptieren und respektieren, dass es Menschen mit anderen Religionen um uns herum gibt. Und auch viele, die sich gar keiner Religion zuordnen. Wie finden wir Wege im Geiste gegenseitiger Anerkennung und Achtung miteinander umzugehen?
      Ich bin der Ansicht, dass wir den gemeinsamen Kern innerer Werte, der uns alle Menschen verbindet, ausmachen sollten. Wir möchten alle glücklich sein. Wir möchten nicht leiden. Liebe, Mitgefühl und Fürsorge für andere – das sind Werte, die uns angeboren sind.

      Der König Ashoka im alten Indien, ließ eine Reihe von Edikten in Säulen meißeln. Auf eine der Inschriften heißt es man solle

      „die Religion eines anderen achten, denn wenn man dies tut, stärkt man die eigene ebenso wie die des anderen“.

      Alles Liebe dir,
      Carlos

  2. „Nicht der Haß ist das Gegenteil von Liebe, sondern die Gleichgültigkeit.“ liest man immer wieder mal. Meiner Meinung ist dann aber auch das Gegenteil von Haß die Gleichgültigkeit.
    Aus Sicht der Liebe ist Gleichgültigkeit ziemlich Negativ, jedoch aus der Sicht des Hasses ist sie positiv. Da bedeutet sie: Frieden finden zwischen den großen gegensätzlichen Emotionen.
    Ich denke Frieden kann da am besten gedeihen wo das Positive in und mit der Gleich-Gültigkeit, mit Besonnenheit und Bewusstsein über unsere emotionale Mitte zusammenspielen.
    Dort wo die Emotionen auf etwas kleinerer Flamme köcheln dürfen.

    1. Da bin ich skeptisch. Gleichgültigkeit ist das Gegenteil von Interesse – kann man Interesse mit Liebe oder Hass gleichsetzen?

  3. Wunderschöner Artikel! Du sprichst mir aus dem Herzen. Für meinenTeil habe ich mir vorgenommen dieses Jahr der Freude zu folgen. Alles was dem Herzen Freude bringt entspringt der Liebe. Und die Liebe bringt Frieden und Zufriedenheit. Ich fange bei mir an und lasse meine Freude wachen. Dann kann ich in Liebe Geben und Vergeben und es entsteht ganz automatisch Frieden.

    Vielen Dank für deine Artikel und einen schönen sonnigen Tag an alle!!!!

    1. Es freut mich, dass dir der Artikel gefällt Esther.
      Und das ist ein toller Vorsatz, dem du folgst. Getreu dem Motto:

      „Was immer du tust, tue es von ganzem Herzen.“

  4. Hallo lieber Carlos,

    danke für Deine wunderbaren Worte.
    Ich teile Deine Aussagen.

    Als Kriegs-dienstgegener und Verweigerer und jahrelanger Aktivist in der DFU weiß ich darum, wie wichtig der Frieden in dieser Welt für uns und diesen Planeten Mutter Erde ist.
    Aus der Erfahrung heraus raus zählt für mich am meisten, dass ich mich den Attributen wie meiner Angst, der Wut, dem Gleichgewicht des Egos, reaktives Handeln und Verurteilen begegnen darf um in mir selbst den Frieden zu kultivieren.
    Ich bin der festen Überzeugung, wenn ich den Frieden in mir selbst kultiviere geht das in Resonanz zu meinen Umfeld und in den lebendigen Organismus Mutter Erde, die uns trägt und ernährt.

    Danke für Deine Worte <3

    Friede sei mit Dir
    LG Walter Neumann

    1. Lieber Walter,

      was für eine Ehre so etwas von jemandem mit jahrelanger Erfahrung als Friedensaktivist zu hören! Und vielen Dank dir auch, dass du deine tiefen Erkenntnisse mit uns hier teilst.

      Friede sei auch mit dir. 🙂

      Alles Liebe,
      Carlos

  5. „So im Handeln,
    so im Sprechen
    Liebevoll
    verkünd es weit:
    Alle menschlichen
    Gebrechen
    Sühnet
    reine Menschlichkeit.“
    -Goethe-

  6. @Norbert Mieskes

    Gleichgültigkeit ist nicht das Gegenteil von Interesse. Es bedeutet, dass alles die gleiche Gültigkeit hat. Und wenn eben alles gleich ist, dann gibt es weder gut noch schlecht, noch Hass oder Liebe. Es ist einfach ….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.