Künstliche Bedürfnisse –Wenn wir begehren, was wir nicht brauchen

Wir schreiben das Jahr 2014, Donnerstag früh um 9.

Ich schlürfe gerade seelenruhig meine Tasse Kaffee, während ich in der Vorlesung sitze. Auf einmal sagt der Professor etwas was mich aufhorchen lässt.

„Im Kern geht es darum. In unserem Wirtschaftssystem benötigen wir Wachstum. Wir müssen immer nach neuem suchen. Dieses Konsumverhalten, dieser Zwang, wurde uns anerzogen. Wir müssen alles tun um damit es nicht zu einer Stagnation kommt. Deswegen müssen wir immer neue Bedürfnisse wecken, dürfen diese Bedürfnisse aber nie befriedigen.“

Das ist der Kern des Marketings. Werbebotschaften wecken immer künstlich Bedürfnisse in uns. Sie dürfen sie aber niemals wirklich befriedigen, damit wir immer weiter konsumieren und das Hamsterrad am Laufen halten.

Darum geht es in dem heutigen Gastartikel von Resistance.

Künstliche Bedürfnisse – Wenn wir begehren, was wir nicht brauchen

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, dass vieles von dem, was wir besitzen, überhaupt nicht von uns benötigt wird? Es genügt nur ein Blick in unsere Wohnung oder unser Zimmer, und schon entdecken wir lauter Krimskrams, bei dem uns eine plausible Begründung dafür fehlt, wieso wir ihn eigentlich haben. Die Rede ist nicht nur von Offensichtlichem, wie überfüllte Kleiderschränke oder Zeitschriftenberge, sondern auch von als „natürlich“ Geltendem, wie Fernseher, Konsolen, Hightech Küchengeräte, ein Aquarium, Kosmetik Sets, usw. usf.

Aber abgesehen von den materiellen Dingen, die uns ständig verfolgen, spielt sich auch sehr viel in unserer Psyche ab, was wir nicht einmal bemerken. Es ist der Einfluss von außen auf unsere Denkweise und unsere Gefühle.

Scheinbilder in unserem Kopf

Wenn wir uns bei jeder unserer alltäglichen Handlungen nur einmal die Frage

„Warum mache ich das?“

stellen würden, würde uns die Erkenntnis, dass wir nur einem Strom folgen, vielleicht sogar wachrütteln und uns innehalten lassen. Dies wäre dann ein Moment, in dem wir ganz bewusst unserem eigenen Denken folgen und uns selber fragen, ob wir etwas tun sollen oder nicht; und uns nicht wie ein Blatt im Wind bewegen. Und wenn wir das Bewusstsein erst einmal eingeschaltet haben und lernen, es gezielt zu benutzen, werden viele Bilder, die wir vorher in unserem Kopf hatten, Stück für Stück zerfallen und uns das wahre Bild zeigen. Versetzen wir uns in die Lage einer Person, die mit ihren Freunden darüber spricht, am Abend gemeinsam etwas zu unternehmen. In den meisten Fällen landet diese Gruppe von Menschen in der Stadt, setzt sich in ein Café oder eine Shisha Bar.

Fazit des Tages: Wie an fast jedem Wochenende werden für ein paar ungesunde Getränke und für gesundheitsgefährdenden Rauch die Taschen geleert, die mit Schweiß gefüllt worden sind. Nun fragt man sich, wieso man es vorzieht, in der City einen draufzumachen, wenn man doch zu Hause alles hat, was man für so einen Abend benötigt (wenn man mal die gesundheitsgefährdenden Materialien außen vor lässt)?

Es ist das uns eingetrichterte Szenario des „Ausgehens“ oder „Nightlifes“, was für Jugendliche „üblich“ ist, wenn sie Spaß haben wollen und einen „geeigneten“ Ort dafür suchen. Wir alle können immer wieder beobachten, wie es uns und unsere Freunde immer wieder an öffentliche Orte zieht, an denen wir viel mehr Geld liegen lassen, und das auch noch für eine unpersönliche Atmosphäre unter zahlreichen anderen Menschen, mit denen wir nicht mal ein einziges Wort wechseln.

Dinge, die keiner braucht, aber jeder hat

Ein anderes bekanntes Handlungsmuster ist die ewige Jagd nach den neuesten Produkten. Das zurzeit wohl populärste Produkt ist das

Smartphone, bei dem regelmäßig eine neue Version auf dem Markt erscheint, die wir komischerweise immer „brauchen“. Weil die neuen Extras der Knaller sind? Weil das alte Smartphone zufällig unbrauchbar geworden ist? Oder weil wir einfach nur denken, bzw. vorgedacht bekommen, dass wir es haben müssen?

Am Ende liegen wir dann auf einem Berg von IPhone- oder Samsung-Schachteln, nummeriert von 1-100. Während ein Handy mit Internet wenigstens noch ein oder zwei nützliche Funktionen hat, gibt es jedoch auch Zeug, dessen Existenz auf keine Art und Weise legitimiert werden könnte. Wer kennt nicht die Wackel-Hunde hinten im Auto? Oder Plüschtiere als Schlüsselanhänger? Oder digitale Bilderrahmen, Schokobrunnen, Hello Kitty Socken, Plastikvögel im Blumentopf und Kostüme für Haustiere, wobei selbst ein Haustier fragwürdig ist. Dennoch wird nie oder zumindest nicht gründlich hinterfragt, wieso all diese Dinge und ihre sinnlose Produktion eine Daseinsberechtigung haben.

Eine erfolgreiche Marktstrategie würde es sogar so weit bringen, dass irgendwann die Exkremente von Affen als Dekoration gekauft werden können. Die gesellschaftliche Manipulation hat schon vieles wahr werden lassen.

Gestörte Sexualität als Geldquelle

Wenn es um Manipulation für die Vermarktung von Produkten geht, liegt die größte gesellschaftliche Präsenz mit Sicherheit beim Sexismus. Der Sexismus lässt unsere natürlichen Triebe vollkommen entarten und führt zu verdorbener Sexualität, sowohl bei der Frau als auch beim Mann. Mit halbnackten Frauen oder erotischen Handlungen in der Werbung wird für den Mann der perfekte Köder geschaffen. Dabei wird die Frau lediglich als ein Stück Fleisch betrachtet, was den „männlichen Hunger“ stillt. Um selber sexuell begehrt zu werden, muss der Mann allerdings auch viel in sich selbst investieren durch Muskelaufbau, körperbetonte Kleidung, dicke Karren und heutzutage sogar durch Dinge, die früher der Frau zugeordnet wurden, wie das Entfernen von Körperbehaarung, das Schminken oder selbst Maniküre. Bei der Frau macht sich der Sexismus besonders in der ultimativen Kombination mit dem Schönheitswahn bemerkbar. Damit man als Frau überhaupt einen Wert und Anerkennung erhält, muss man sich dem herrschenden Gesellschaftsbild anpassen.

Das bedeutet: Kämpfe dein Leben lang um ein hollywoodhaftes Aussehen! Schmale Taille – breiter Hintern, wenig Pickel – viel Make- Up, kleine Nase – große Brüste, kurze Röcke – lange Wimpern. Doch der Schrei nach Schönheit kennt kein Ende, denn dieses „Bedürfnis“ kann nie gestillt werden. Genau wie unsere Wirtschaft an das ewige Wachstum glaubt, wird dem Menschen stets eingeflößt, dass man nicht schön genug ist.

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Der verzweifelte Schrei nach Schönheit

So lässt der Mann die Hanteln nicht mehr fallen, selbst wenn seine Muskeln so groß geworden sind, dass sie fast aufplatzen. Die Lippen der Frau werden immer dicker und auffälliger und das Verzieren des Körpers endet auch nicht nach dem Tragen von lauter Glitzerzeug und Piercings. Zuerst werden die Ohren gestochen, dann die Nase, dann die Brustwarzen und wenn das Finale erreicht ist, diverse andere Körperzonen. Hinzu kommt, dass man in allem Abwechslung braucht, weil sonst etwas „veraltet“ und damit nicht mehr auffällig ist. Wer soll dich wahrnehmen, wenn du nicht regelmäßig deine Haare färbst oder neue Kleidung anhast? Der Schrei nach Schönheit enthält jedoch einen gewaltigen Widerspruch. Während die „Schönheit“, die man erreichen will, keine Grenzen zu kennen scheint, erstickt der Schrei irgendwann, wenn er im Leben nicht das erwünschte Ziel erreicht; und das Ziel kann niemals erreicht werden, da es sich immer weiter von uns bewegt. Die Folgen dieses Widerspruchs sind Magersucht, Minderwertigkeitskomplexe oder kranke sexuelle Begierden, um durch häufigen

Geschlechtsverkehr das Selbstwertgefühl zu pushen, was uns in dieser Gesellschaft genommen wird, wenn wir uns nicht dem herrschenden Idealbild anpassen können.

Die Macht des Kapitalismus

Wem nützt diese Massenverwirrung eigentlich?

Denjenigen, die davon profitieren, wenn die Masse etwas „braucht“ und dadurch ihr Leben lang konsumiert. Denjenigen, die sich durch den daraus folgenden Konsumwahn ihren Reichtum und ihre Macht aufbauen. Denjenigen, die durch Konsum und künstlich erzeugte Bedürfnisse von ihrer Macht ablenken wollen. Es ist sind die herrschenden Eliten, die großen Banken und Konzerne, die sich durch gesellschaftliche Manipulation ihr kapitalistisches System aufrechterhalten, was nur einem einzigen Gott dient: Dem Geld. Für die Herrschaft dieser großen Kapitalisten muss die Menschheit und die Erde jedoch teuer bezahlen. Die „Anarchie der Produktion“ in unserem Wirtschaftssystem führt immer wieder zu Überproduktion, anschließend zu Kapitalvernichtung und infolgedessen zu Arbeitsplatzvernichtung und noch mehr Ausbeutung, als es sie schon gibt.

Gleichzeitig wird aufgrund der Priorität, die man auf den Profit und Wirtschaftswachstum setzt, keine Rücksicht auf die Natur genommen, welche durch umweltschädigende Massenproduktion von sinnlosem „Müll“ zerstört wird und bleibende Schäden davonträgt. Des Weiteren werden natürliche Ressourcen komplett ausgeschöpft und vernichtet.

Die Manipulation der Sinne

Um gegen die kapitalistische Manipulation unserer Bedürfnisse anzukommen, müssen wir zuerst verstehen, wie sie uns manipulieren. Sie spielen mit unseren Sinnen, wobei dem Auge hier die wichtigste Rolle zukommt. Sie beginnen bereits im Kindesalter, da Kinder noch nicht über ein kritisches Bewusstsein verfügen und Informationen selektieren können. Sie wollen alles, was sie zu sehen bekommen.

Ob in der Werbung, bei anderen Kindern oder im Schaufenster. Der Erwachsene kann sich zwar gegen simple Werbespiele wehren, aber wie oben schon erwähnt, ist er genauso wie das Kind aufgrund von künstlichen Bedürfnissen diversen gesellschaftlichen Zwängen ausgeliefert und somit zum Konsum verdammt. Alles beginnt mit dem Sehen. Um dies zu erläutern, müssen wir uns zunächst einmal vor Augen führen, was die natürlichen Bedürfnisse des Menschen sind: Nahrung, ein Dach über dem Kopf und soziale Kontakte.

Es ist schockierend, zu beobachten, wie der Kapitalismus drei Grundbedürfnisse zu einer unendlichen Liste umgewandelt hat. Das Gegenbeispiel zum Menschen, den wir kennen, ist der Mensch, der einigermaßen isoliert von Zwängen der kapitalistischen Konsumgesellschaft lebt; ein Dorfkind zum Beispiel. Nehmen wir an, dieses Kind sei in einem abgelegenen Dorf aufgewachsen, wo kein Fernseher existiert und im besten Fall keine Menschen von außerhalb auftauchen. Würde dieses Kind auf natürliche Weise jemals auf die Idee kommen, eine Playstation, ein Lego-Schloss oder ein IPad besitzen zu wollen? Mit Sicherheit nicht.

Dieses Kind wäre viel leichter glücklich zu machen und würde sein Glück aus den einfachsten Dingen ziehen, da es nicht mit jedem Atemzug neue „Bedürfnisse“ eingetrichtert bekommt. Wir sind jedoch von klein auf von dieser Krankheit befallen. Unsere Bedürfnisse enden nicht und damit auch unser Wunsch, glücklich zu sein. Nur eine Waffe kann uns noch helfen und diese müssen wir erst entdecken.

Mit Bewusstsein und Revolution zur Freiheit

Wir müssen ein Bewusstsein entwickeln, was alle gesellschaftlichen Zwänge abwehrt. Es muss in der Lage sein, selektieren zu können, welche Informationen wir aufnehmen und welche wir ausblenden. Wenn wir in der Lage sind, unsere Bedürfnisse selber zu bestimmen und selber zu entscheiden, was wir brauchen und was nicht, dann können wir von einem Bewusstsein und einem eigenen Denken sprechen.

Um aber die Zwänge ein für alle Mal zu beseitigen und der freien Entfaltung des Menschen die Tore zu öffnen, muss diese Gesellschaft selbst abgeschafft werden. An ihrer Stelle muss eine Gesellschaft und ein System eingesetzt werden, was von Anfang an nicht auf den Profit ausgerichtet ist, sondern auf den Menschen selber. Eine Gesellschaft, in der niemand davon profitieren kann, andere Menschen zu unterjochen, zu manipulieren und ihnen zu schaden. Diese Gesellschaft wird uns jedoch nicht auf einem Silbertablett serviert. Wir müssen sie uns nehmen und diese Welt revolutionieren, denn unser größtes Bedürfnis lautet: Freiheit!

Über die Autoren

resistance-kuenstliche-beduernisseResistance hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine alternative Informationsquelle zu sein, welche mit einer revolutionären Perspektive auf die Welt schaut und mit einem kritischen Blick über das Weltgeschehen, die Politik und die gesellschaftlichen Probleme berichtet. Unser Stift schreibt nicht für Profit und verdunkelt nicht die Machenschaften der Herrschenden. Unser Stift schreibt einzig und allein für die unterdrückte Klasse und die Revolution.

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4 Comments on “Künstliche Bedürfnisse –Wenn wir begehren, was wir nicht brauchen”

  1. Sehr guter Text – das bringt es auf den Punkt.
    Ich frage mich nur, ob bzw. wie man diese Einsicht der breiten Masse vermitteln kann. Im Grunde weiß fast jeder, dass in unserem Alltag vieles nicht stimmig ist – aber augenscheinlich ist niemand bereit, das zu hinterfragen und daraus ernsthaft Konsequenzen zu ziehen. Oftmals glaubt man sogar, diesem System gar nicht entfliehen zu können und tatsächlich ist da auch ein kleiner Funken Wahrheit dran, denn legal ohne Einkommen ein Dach über dem Kopf zu haben und nicht andere dafür zahlen zu lassen, funktioniert in dem System einfach nicht. Ähnlich steht es um die Nahrungsbeschaffung…

    Zum Thema passt übrigens auch gut dieses Lied hier, was ich kürzlich entdeckt habe: https://youtu.be/pBLJNe8hsKE

    1. Vielen Dank für deine Sichtweise, Patrick.
      Du hast recht, manchmal scheint es eine große Herausforderung zu sein, wirklich hinzuschauen und Konsequenzen aus unseren Erkenntnissen zu ziehen. Sodass wir am Ende nichts tun, weil wir uns überfordert fühlen.
      Dabei kann aber schon jeder kleine Schritt einen wertvollen Unterschied machen. Jede Entscheidung die wir in unserem Leben treffen, birgt die Chance das Leid auf dieser Welt etwas zu verringern. 🙂
      Ich finde, dass auch der Ansatz der Win-Win-Win-Entscheidungen in diesem Artikel da sehr gut aufgreift: http://happyroots.de/win-win-win-entscheidungen/

      Alles Liebe,
      Carlos

  2. Hallo 🙂
    Toller Artikel, ganz genau so ist es. Wir halten unsere Kinder bewusst davon fern und einen Fernseher besitzen wir erst gar nicht. Hoffentlich lesen viele Menschen diesen Artikel und denken ein wenig darüber nach, denn so ganz angekommen, scheint es noch nicht zu sein.
    Liebe Grüße,
    Nadine

    1. Hallo Nadine 🙂
      das freut mich zu hören.
      Es ist wichtig unseren Geist in unserer reizüberfluteten Welt zu schützen und achtsam auszuwählen, um nur zu konsumieren was uns wirklich gut tut. Ohne Fernseher macht sich das direkt leichter.
      Alles Liebe,
      Carlos

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