Wirtschaftswachstum: Wie die Gier nach mehr unsere Welt verändert

Wirtschaftswachstum

Ist Wirtschaftswachstum die Lösung für alle Probleme?

Wir leben in einer chaotischen Zeit.

Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten. Konflikte. Wirtschaftssanktionen. Kriege. Klimawandel. Armut. Hunger. Kinderarbeit. Terrorismus. Regenwaldabholzung. Und manchmal kommen wir, zwischen einer dieser Hiobsbotschaften, doch einmal dazu innezuhalten. Nachzudenken. Wie aber sollen wir diese Schnipsel an Informationen zusammensetzen?

Heute möchte ich Dir eine Perspektive vorstellen.

Wir werden uns die Rolle des Wirtschaftswachstums näher anschauen – ebenso wie Deine Rolle in dem Ganzen.

Wachstum: Das unlösbare Versprechen

Wir brauchen Wachstum!

Wirtschaftswachstum ist unser Wohlstandsmotor.

Er schafft Arbeitsplätze und hat uns unseren nie dagewesenen Wohlstand in Deutschland erst ermöglicht. Dazu zählen zum Beispiel unser Gesundheitssystem, das Bildungs- und Sozialsystem und die Infrastruktur. Wir haben die Möglichkeit mehr zu shoppen, mehr zu konsumieren denn je. Und ja, das ist nicht ironisch gemeint. Wenn wir uns auf diesem Blog auch eher als Systemkritiker verstehen, müssen wir doch die Leistungen unseres Systems anerkennen.

Zwar werden mittlerweile die Sozialsysteme eher abgebaut und auch unser Bildungssystem beruht auf veralteten Annahmen und es gibt genügend weitere Themen in unserem Land zu kritisieren und verbessern. Dazu werden wir noch Artikel schreiben und da  näher drauf eingehen. Aber: Im weltweiten Vergleich „meckern“ wir hier noch auf sehr hohem Niveau.

Wir erkennen also die Leistungen unseres Systems an. Er hatte uns in Westeuropa einen nie gekannten Wohlstand ermöglicht.

Und wenn in einem Jahr, die Arbeitslosigkeit gestiegen ist, dann weil unsere Wirtschaft nicht genug gewachsen ist. Wenn es woanders noch Armut gibt, dann weil es dort sicher noch keine solide Wirtschaftspolitik gibt. Warum sonst schauen wir so gebannt darauf, wie sich die deutsche Konjunktur entwickelt? Was wir also brauchen um die Probleme auf der Welt zu beseitigen ist also genügend Wirtschaftswachstum, oder?

Nein.

Diese Rechnung geht nicht auf.

Warum?

Ihr liegen falsche Annahmen zu Grunde.

1. Wirtschaftswachstum beseitigt soziale Ungleichheit nicht.

Die soziale Logik wonach Hunger, Armut oder Verteilungsungerechtigkeit durch Wirtschaftswachstum zu beseitigen ist , ist widersprüchlich. In den meisten westlichen Industrieländern ist die soziale Ungleichheit im Laufe der Zeit, trotz einer wachsenden Wirtschaft, gestiegen.

Die sozialen Absicherungen, die wir hier haben, hat nicht die Marktwirtschaft hervorgebracht. Ziel eines gewinnorientierten Unternehmens ist es immer die Lohnkosten zu senken, um die Gewinne zu erhöhen. Von Arbeiterbewegungen ausgehend hat der Staat Sozialstandards durchgesetzt.

In dem Zuge, in dem wir hier bestimmte Arbeitsrechte etabliert haben, sind aber viele Produktionen abgewandert, in ärmere Länder. Wir nennen das Globalisierung. Mit dem Wort meinen wir also nicht die Globalisierung eines Bildungs- oder Gesundheitswesen. Wir meinen globale Wertschöpfungsketten. Globalisierung des Kapitals. Das führt aber zu einem Ungleichgewicht. So stehen heute regional organisierte Gewerkschaften und Politiker, global agierenden Konzernen gegenüber und scheinen dadurch machtlos und erpressbar.

Gleichzeitig braucht unser Wohlstand Armut. Wir definieren ihn über unsere Kaufkraft. Also darüber, wieviel wir konsumieren können. Wir können uns also nur deswegen regelmäßig neue T-Shirts und Handys kaufen, weil die Arbeiter in den globalen Wertschöpfungsketten miserabel bezahlt werden, und weil Umweltkosten erst gar nicht einkalkuliert werden.

2. Unser Wachstum hat Grenzen.

Wir waren es in der Geschichte der Menschheit seit je her gewohnt, uns auszubreiten. Nur sind wir darin zu erfolgreich geworden. Unsere Wirtschaft ist seit der Industrialisierung nahezu exponentiell gewachsen. Unser Wachstum hat eine derartige Dynamik aufgenommen, dass wir an Grenzen stoßen. Planetarische Grenzen. Der Ressourcenverbrauch, den wir uns in Deutschland im Durchschnitt leisten, ist nicht für jeden Menschen auf der Erde erreichbar.

Dazu hat dieser Planet zu wenig Fläche, zu wenig Wasser, zu wenig Ressourcen.

Das klingt hart? Ist es auch.

Der Wachstum und seine Grenzen

Die Gleichung ist simpel.

Auf einem begrenztem Raum gibt es kein unendliches Wachstum.
Tatsächlich kennen wir dieses Phänomen aus der Biologie.

Es heißt Krebs.

Wenn bestimmte Körperzellen unkontrolliert wachsen, stören sie das gesunde Gewebe und führen unbehandelt irgendwann zum Tod. Und zwar zum Tod des ganzen Organismus.

Sind wir zu einem Krebs für unseren Planeten geworden?

Unser Wachstum hat Grenzen, wie der Club of Rome bereits 1972 feststellte. Seit da hat es im wissenschaftlichen Kontext unzählige Debatten und neue Arbeiten zu dem Thema gegeben. So untersucht zum Beispiel die Arbeit „Millennium Ecosystem Assessment” (MEA 2005) die fortschreitende Zerstörung der Ökosysteme, während der „Planetary boundries approach“ von Rockström verschiedene wichtige Prozesse auf der Erde definiert.

Die Grenzen ihrer Belastbarkeit werden planetarische Grenzen genannt. Deren Überquerung kann zu irreversiblen Klimaveränderungen führen, die die Bewohnbarkeit unseres Planeten nachhaltig verändern werden. Wenn wir weiterwachsen, bahnt sich also auf ökologischer Ebene ein Desaster an.

Trotzdem legen wir den Fokus unserer Politik, der technologischen und auch gesamtgesellschaftlichen Entwicklung weiter auf einen Nenner: Wirtschaftswachstum. Unser System braucht das.

Die Stiefkinder des Wachstums: Konflikte, Sanktionen und Kriege

Auch hieran soll unser Wachstum schuld sein?

Krieg? Eine gewagte These. Wenn wir jedoch genauer hinschauen, ergibt sie Sinn. Natürlich spielen auch andere Faktoren, wie individuelle Machtinteressen von Regierenden oder geostrategische Überlegungen eine Rolle, aber der Wachstumszwang eben auch.

Wenn verschiedene Länder immer mehr Ressourcen brauchen, weil sie wirtschaftlich wachsen müssen, die Ressourcen aber begrenzt sind, werden sie sich irgendwann darum streiten müssen.

Logisch? – Logisch!

Diese globale Verteilungskämpfe werden härter, je knapper die Ressourcen werden. Solange wir also unseren Wohlstand nicht von einem Wachstumszwang und dem damit verbundenen zunehmendem Ressourcenverbrauch entkoppeln können, werden wir in Zukunft in mehr und mehr Konflikten involviert sein.

Die Konsumlüge: Wirtschaftswachstum macht uns nicht glücklich

Kann man Glück kaufen?

Die Antwort der Werbung ist einfach: Ja.

Das ist aber eine Lüge.

Der Fokus auf Konsum und Materialismus macht uns nicht glücklich. Ab einem bestimmten Wohlstandslevel, werden wir nicht glücklicher, wenn wir noch mehr besitzen. Stattdessen sind materialistisch eingestellte Menschen unglücklicher als Erlebnisorientierte.

Trotzdem müssen wir mehr konsumieren. Wenn die Wirtschaft wachsen muss, muss irgendjemand ihr den Scheiß ja abkaufen. Du. Ich. Wir.

Also muss sie Bedürfnisse wecken. Schönheitsideale produzieren. Sie muss Unzufriedenheit wecken, damit wir kaufen, um glücklich zu werden. So wird der öffentliche Raum mehr und mehr kommerzialisiert. Verschiedene Studien gehen von bis zu 10.000 Werbebotschaften aus, die täglich auf uns einprasseln, wie ein Tropenschauer.

Beeinflussen sie uns? Macht Regen Nass?

Das Schöne an Wasser ist, dass wir merken wenn wir nass werden.

Den Einfluss von Werbespots hingegen merken wir nicht bewusst. Trotzdem verfallen wir gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit gerne in den Konsumrausch.
Wir genießen unsere Freiheit, während wir unbewusst dazu gebracht werden, Produkte zu kaufen, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Somit unterstützen wir durch unsere Art zu leben, die Probleme die unser System verursacht. Wir sind ein Teil des Ganzen.

Fazit

  • Die Wachstumsdynamik hat uns im Zuge der Industrialisierung unseren heutigen Lebensstandard ermöglicht
  • Gleichzeitig leben wir mittlerweile Ressourcentechnisch gesehen, über unsere Verhältnisse und stoßen sogar an planetarische und soziale Grenzen
  • Unser System verursacht soziale Missstände und Konflikte
  • Das ganze macht uns nicht mal glücklich, trotzdem unterstützen wir das durch unseren Konsum

Was können wir daraus lernen?

  1. Wir brauchen einen Systemrahmen, die ökologische und soziale Grenzen mit einbezieht.
    Hier gibt es verschiedene interessante Ansätze, wie zum Beispiel die Postwachstumsökonomie von Niko Paech. Wir werden dazu noch verschiedenes vorstellen.
  2. Wir brauchen eine neue Zielgröße
    Wirtschaftswachstum ist ungeeignet um unser Hauptziel zu sein. Nicht nur, weil er nicht ewig weitergeht, sondern auch weil er wenig über unsere tatsächliche Lebensqualität aussagt. Wir brauchen neue Zielgrößen. Wie können wir unseren Fortschritt stattdessen messen?
  3. Unser Handeln zählt!
    Jeder einzelne von uns prägt die Globalisierung entscheidend mit, durch seinen Konsum. Wir können mit jedem Einkauf entscheiden, ob wir z.B. Produkte kaufen die für Regenwaldabholzung und Arbeiterausbeutung verantwortlich sind, oder solche, die für nachhaltigen und fairen Handel stehen. Wenn wir selbst nachhaltig leben, ändert das etwas. Ich finde diesen Gedanken sehr schön, weil das bedeutet, dass wir selbst schon der Wandel sein können. Jeden Tag, mit jedem Einkauf.
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